„Wir leben Inklusion“

Würzburg 25.1.2019. Die Vinzenz-Werke präsentieren sich auf dem Würzburger Marktplatz. Geschäftsführer Thomas Oehrlein: „Wir wollen zeigen, was wir als Unternehmen leisten. Für uns ist Inklusion seit 30 Jahren eine Selbstverständlichkeit.“

Kalt, sogar sehr kalt, ist es an diesem Freitag in Würzburg. Die erste Inklusionswoche geht langsam aber sicher zu Ende. Gut 60 Veranstaltungen zum Thema „Inklusion“ wurden an den zurückliegenden Tagen im Stadtgebiet bestritten. Die Vinzenz-Olympiade an der Marienkapelle ist mit Sicherheit ein echtes und mediales Highlight. 

Die Vinzenz-Olympiade 

Thomas Oehrlein und sein Team aus Anleiterinnen und Mitarbeitern haben sich einiges einfallen lassen, um Prominenz, Interessierte und Neugierige an den Stand zu locken. Wie lange braucht ein Landtagsabgeordneter, um das Logo der Vinzenz-Werke – ein rotes V - als Verbundpflaster zu verlegen? Wer ist schneller beim professionellen Fensterputz? Und wie lange braucht eine Bürgermeisterin, um frisch gewaschene Lappen zu sortieren? Diese und weitere Wettbewerbe sind Teil der Vinzenz-Olympiade. Wer seine Sache gut macht, bekommt eine Vinzenz-Tasse, eine Tasche, eine bunte Primel oder ein anderes kleines Geschenk. „Wir wollen bei den Leuten in guter Erinnerung bleiben“, sagt Oehrlein mit einem Lächeln. 

Die Politik zieht mit 

Groß ist die Freude als Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake, Ernst Joßberger, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Stefan Beil, Leiter der Agentur für Arbeit, Stadtrat Willi Dürrnagel und andere Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft zur Eröffnung der Vinzenz-Olympiade kommen. „Da gibt es ein echtes Interesse für unsere Dienste“, konstatiert Oehrlein, „und uns gezeigt das, dass allen an einem lebendigen Austausch im Interesse der Menschen mit Behinderung gelegen ist.“ 

Seit 30 Jahren am Markt 

Hinter dem Spaß am Mitmachen stecke natürlich ein ernstes Anliegen, erläutert Thomas Oehrlein im Gespräch mit dem Fernsehen und der Presse. „Wir leben Inklusion“, ist für ihn und sein Team keine Floskel, sondern seit 30 Jahren Wirklichkeit. „Die Vinzenz-Werke sind ein Inklusionsbetrieb von Kirche und Caritas und bieten Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen Arbeitsmöglichkeiten“, so Oehrlein. Da gebe es den Garten- und Landschaftsbau, eine Großwäscherei, die Gebäudereinigung, eine moderne Schreinerei und eine kleine Buchbinderei. „Wir beschäftigen momentan 46 Prozent anerkannt behinderte Menschen“, berichtet Oehrlein und schiebt nach, dass weitere Frauen und Männer hinzukämen, die aus gesundheitlichen Gründen auf dem freien Markt keine Chance hätten. „Der Leistungsdruck in unserer Gesellschaft nimmt immer mehr zu und sortiert Menschen schnell aus, die nicht mithalten können“, diagnostiziert der Geschäftsführer. Als Dienstleister stünden die Vinzenz-Werke unter großem Preisdruck, denn man sei in vielen Bereichen an Tariflöhne gebunden, während es andere scheinbar billiger machten.  

Sorge um gute Rahmenbedingungen 

Caritasdirektorin Pia Theresia Franke ist dankbar für einen heißen Tee. Auch sie hat die Olympiade erfolgreich absolviert. „Ein Fenster bei frostigen Temperaturen zu putzen, ist kein Pappenstiel.“ Für die Caritas sei die Inklusion in allen Bereichen, von der Kita bis ins hohe Alter, längst Thema. „Wir ringen mit Politik und Wirtschaft um gute Rahmenbedingungen, so dass das Miteinander aller noch besser gelingen kann“, unterstreicht Franke. Und dass ihr die Vinzenz-Werke besonders am Herzen liegen, sei wohl selbstverständlich. „Es ist gut, dass sich Kirche und Caritas auch ganz konkret für benachteiligte Menschen einsetzen.“ 

Domkapitular Clemens Bieber sieht dies ebenso. „Als Kirche über gesellschaftliche Teilhabe reden, ist glaubwürdig, wenn sie auch vorgelebt wird.“ Die Vinzenz-Werke von Kirche und Caritas täten dies seit Jahrzehnten. 

von Sebastian Schoknecht 
www.caritas-wuerzburg.de