Vinzenz Werke

Das Große und Ganze der Caritas

Würzburg. 600 Frauen und Männer aus allen Bereichen der unterfränkischen Caritas trafen sich zum Mitarbeitertag im Würzburger Vogel Convention Center (VCC). Impulsreferat von Benediktinerpater Anselm Grün, Vorstellung der Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung und der Blick nach vorn bildeten Schwerpunkte des Großereignisses.

Nichts weniger als das Große und Ganze der unterfränkischen Caritas war Thema des Mitarbeitertags im Würzburger VCC. Wo steht der Verband mit seinen mehr als 17.000 hauptberuflichen Frauen und Männern in etwa 1.000 Diensten und Einrichtungen, und wie kann die Reise zu einem geschärften und zukunftsweisenden Caritasprofil gelingen? „Nicht Veränderung, sondern Verwandlung“, riet Pater Anselm Grün später in seinem Impulsreferat an.

„Caritas ist nicht Firma oder Unternehmen, sondern vorrangig Leidenschaft für die Menschen“, begrüßte Domkapitular Bieber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Bereichen der Caritas im VCC. „Wir sind anders und wollen anders sein als kommerzielle Unternehmen“, und das habe auch mit Spiritualität zu tun.

Prof. Dr. Thomas Schmidt stimmte auf das Programm des Tages ein und stellte die Dimensionen des Verbandsentwicklungsprozesses vor. Die Caritas sei kein Ofen, der sich selbst wärme, sondern trage Verantwortung für Kirche und Gesellschaft, für Menschen, die bei ihr Rat und Hilfe suchten ebenso wie für die Menschen, die bei ihr arbeiteten. „Die Caritas lebt vom Vertrauen der Menschen“, sagte Schmidt. Für ihren Weg in die Zukunft folge sie einer Vision, die weit über das Bistum Würzburg hinausreiche.

Aus den inneren Quellen leben

Pater Anselm Grün wusste von seinen zahlreichen Erfahrungen als geistlicher Begleiter und Anbieter von Seminaren für Führungskräfte fruchtbringend für die Arbeit der Caritas zu berichten. Zentral sei die Sprache. „Wie sprechen wir miteinander und übereinander?“, fragte er ins Publikum hinein. Hier zeige sich auch, ob jemand aus seinen inneren Quellen zu leben und zu schöpfen verstehe. Pater Anselm empfahl die Arbeit mit den eigenen Bildern. „Die sind nicht immer biblisch oder fromm, aber doch Geschenk Gottes.“ Ebenso wichtig seien kleine Rituale. Sie dienten als Türschließer und -öffner, um den Raum der Arbeit zu verlassen und Orte des Auftankens zu erreichen. Pater Anselm verwies auf die Angebote von Kirche und Liturgie, „aber es ist ganz klar, dass viele Mitarbeiter der Caritas hier keinen inneren Zugang mehr haben.“ Der Pater lud ein, eigene Quellen der Spiritualität ernst zu nehmen. „Das kann für viele die Natur sein. Ein Ort, an dem wir einfach sein dürfen, ohne bewertet zu werden.“

Caritas ist vielfältig

So vielfältig die Arbeitsbereiche der unterfränkischen Caritas sind, sind es auch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies zeigt die von Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz und Lucia Segler vorgelegte Würzburg-Studie. Mit großem Interesse und einem sehr guten Rücklauf von etwa 40 Prozent ging die Fragebogenaktion zwischen August 2014 und Januar 2016 über die Bühne, sodass die Ergebnisse als repräsentativ betrachtet werden könnten, führte Ebertz, Professor an der Katholischen Hochschule Freiburg, in seinem Beitrag aus.

Der katholische Wohlfahrtsverband erweist sich laut Studie in seinen Mitarbeitern als Querschnitt der Gesellschaft. Die Studie führt deshalb, ungewohnt aber in der Sache zutreffend, „Spiritualitäten“ als Plural im Titel. Das ist aber keine Bedrohung katholischer Einheit, sondern eine Vielfalt und Ressource für eine dienende Kirche. Die Befragung zeigt deutlich, dass die Mitarbeiter ganz überwiegend der katholischen Kirche loyal, aber dennoch kritisch gegenüberstehen. Sie können mit der Großinstitution, wo sie weiterhin auf Prunk, Macht und Bevormundung setzt, nichts mehr anfangen. Ein Austritt aus der Kirche ist jedoch für die meisten keine Option, selbst wenn dies keinerlei Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis hätte.

Das macht die Studie deutlich: Je jünger die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, desto geringer sind ihre Bindung an die Kirche und die Identifikation mit dem Dienstgeber Caritas. Gottesdienstbesuche sind selten, Glaube und Religion oft eine individuelle Zusammenstellung von Ritualen und Meinungen aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Die Arbeit wird nicht als Ausdruck gelebter Religiosität verstanden. Dennoch arbeitet die überwiegende Mehrheit gerne unter dem Dach der Caritas und weiß die faire Bezahlung und Zuverlässigkeit des Verbandes zu schätzen.

Größter Wunsch der Befragten ist, so führt es die Studie aus, eine Stärkung der Anerkennungs- und Wertschätzungskultur. Diese betrifft das kommunikative Miteinander in und unter den Einrichtungen und Diensten der Caritas; dies betrifft ebenso die Zuwendung zu Klienten, Patienten, Kunden, Rat- und Hilfesuchenden. „Ohne die Modellierung der Interaktionsqualität fehlt der spirituellen Kultur der Caritas die Handlungsbasis“, heißt es in der Studie.

Während Ebertz und Segler die Studie vorstellten, nutzten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit, Fragen zur Würzburg-Studie zu formulieren. Die Autoren der Studie standen dem Auditorium Rede und Antwort zur Methodik und zum Inhalt der Studie.

Anregende Diskussion

Dass man nicht über die Köpfe hinweg, sondern gemeinsam mit den Frauen und Männern der unterfränkischen Caritas nach Wegen in die Zukunft des Verbandes Ausschau halten will, zeigte die anregende Podiumsdiskussion am Nachmittag. In ihrem Zentrum stand die Frage „Wie wollen wir mit den Ergebnissen der Studie umgehen?“

Für den Vorstand war Domkapitular Clemens Bieber aufs Podium gekommen. An seiner Seite die Autoren der Studie, Prof. Dr. Dr. Michael N. Ebertz und Lucia Segler. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden durch Pflegedienstleiterin Lena Voll (Marienstift Schweinfurt), Sozialpädagogin Margit Jäcklein (Frühförderstelle der Caritas in Gerolzhofen) und den Psychologen Theo Kellerhaus (SkF Würzburg) vertreten.

Deutlich wurde, dass es einerseits den Respekt vor den unterschiedlichen Spiritualitäten der Mitarbeiter brauche und andererseits die Sorge um eine gemeinsame Caritaskultur in den Einrichtungen. Die Mitarbeiter wollen keine Unterweisung, sondern das gute Miteinander im christlichen Geist.

Zum Abschluss der Diskussionsrunde wurde mit roten und grünen Karten über Thesen zum Umgang mit der Studie aussagekräftig abgestimmt. Dabei ergab sich ein klares Votum zur Fortsetzung des Prozesses und Leitlinien für die Entwicklung von Angeboten.

Christian Wölfel (KNA) führte als Moderator souverän durch den Tag und die anregende Diskussion. Mit großem Applaus hatte Domkapitular Bieber den Preisträger des katholischen Medienpreises 2016 am Morgen im VCC begrüßt.

Rundum gelungener Tag

Als rundum gelungene und überaus wichtige Veranstaltung im Prozess der Verbandsentwicklung würdigten zahlreiche Teilnehmer den Tag im Vogel Convention Center. Natürlich sei der Vortrag von Pater Anselm Grün ein besonderes Highlight gewesen, meinte die Leiterin einer Caritas-Kita. „Der strahlt etwas aus.“ Wichtig sei es, dass Austausch und Diskussion nun nicht verebbten, äußerte ein Mitarbeiter aus dem Bereich der Altenpflege.

Überaus zufrieden zeigten sich auch die Organisatoren der Caritas mit den hervorragenden Rahmenbedingungen im Würzburger VCC und dem schmackhaften Catering der Firma „schmackofatz“ aus Bergtheim. Auch die musikalischen Einlagen von „Eva Tilly & Band“ kamen gut an.

Domkapitular Clemens Bieber dankte zum Abschluss allen Anwesenden für das engagierte Mittun und Mitdenken an diesem Tag und darüber hinaus im Verband. Besonderen Dank zollte er jedoch dem Vorbereitungsteam um Susanne Hilpert und Tanja Scheller. Dank gilt auch dem Malteserhilfsdienst für den Sanitätsdienst im Hintergrund.


Die Studie „Spiritualitäten als Ressource für eine dienende Kirche“ ist im Echter-Verlag Würzburg erschienen (ISBN 978-3-429-03994-3).

Die Caritas versteht sich als Kirche. Sie will sich und die Gesellschaft verwandeln. Große Zustimmung zum Mitarbeitertag und zum Verbandsentwicklungsprozess der Caritas. © Sebastian Schoknecht | Caritas
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