Vinzenz Werke

Schülerzeitung „Gegenwind“ über die Vinzenz Werke

Wir freuen uns über den tollen Bericht, den Linda Hofmann und Tim Ziegler vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt für ihre Schülerzeitung „Gegenwind“ über die Vinzenz Werke geschrieben haben:

Jedes Jahr aufs Neue quält diese Frage die 10.-Klässler. Wo könnte ich mein Praktikum absolvieren? Industrie? Apotheke? Auf dem Bau? … Es gibt viele Möglichkeiten. ABER… schon einmal daran gedacht,  in ein Inklusionsunternehmen zu gehen? Für diejenigen unter euch, die nicht wissen, was das ist, haben wir mal ein bisschen nachgeforscht.

Ein Inklusionsunternehmen ist ein Unternehmen wie viele andere und damit ein ganz normaler Arbeitgeber. Der Unterschied  zu z.B. Aldi besteht darin, dass in diesem Unternehmen sowohl Menschen mit als auch ohne Handicap zusammenarbeiten. Damit arbeiten Menschen mit Behinderung also ebenfalls auf dem ersten Arbeitsmarkt (das ist der reguläre Arbeitsmarkt, in dem auch eure Eltern beschäftigt sind) und werden auch genauso bezahlt wie alle Arbeitnehmer. Bei  z.B. Lebenshilfe oder der OBA (offene Behindertenarbeit) ist das anders.   Die Leistungen, die angeboten werden sind bei normalen und bei Inklusionsunternehmen genau gleich. Man kann also sein Büro von Firma XY oder von einem Inklusionsunternehmen reinigen lassen ohne das es einen Unterschied bei der Reinigung gibt. Inklusionsunternehmen darf man allerdings nicht mit Behindertenwerkstätten verwechseln.

Das nächste größere Inklusionsunternehmen, das es hier in der Region gibt, ist die Firma Vinzenz Werke in Würzburg.

Wer arbeitet in einem Inklusionsunternehmen?

Dieses Unternehmen ist in den Branchen Garten und Landschaftsbau, Gebäudereinigung, Wäscherei und Schreinerei tätig und bewältigt die Aufträge, die es bekommt genau wie jedes „normale“ Unternehmen. Der Unterschied: 40 – 50% der Mitarbeiter haben eine Behinderung. Hier finden sich unter anderem Menschen im Rollstuhl, Gehörlose, Menschen mit Diabetes (ja auch Diabetes ist eine anerkannte Behinderung), psychisch Kranke und Menschen mit einer Lernbehinderung. Um ihnen ein reibungsloses Arbeiten zu ermöglichen, haben die Menschen verschiedene Hilfsmittel, zum Beispiel speziell angefertigte Sicherheitsschuhe, wenn ein Fußzeh fehlt. Oder es wird bei Schulungen ein Gebärdendolmetscher für die gehörlosen Mitarbeiter bestellt. Zur Unterstützung und Beratung der schwerbehinderten Mitarbeiter gibt es bei den Vinzenz Werken einen Sozialarbeiter.

Eine Behinderung schränkt keinen ein

Um Näheres zu erfahren, befragten wir Christian, der seit einem Motorradunfall vor 13 Jahren mit einem kompletten Querschnitt im Rollstuhl sitzt. Mittlerweile kommt er sehr gut mit seinem Handicap zurecht. Sein Motto hat uns sehr beeindruckt: Man ist nur soweit eingeschränkt, wie man sich einschränken lässt.  Sogar seine Freunde vergessen manchmal, dass er im Rollstuhl sitzt. Seiner Ansicht nach lernt man aber auch erst in Extremsituationen, wer die wahren Freunde sind.

Auch wenn man gehandicapt ist, heißt es noch lange nicht, dass das Leben vorbei ist. Man kann trotzdem noch eine Familie gründen und seine Wünsche erfüllen, auch Langstreckenflüge sind mit Rollstuhl kein Problem, ganz im Gegenteil:  sie sind sogar angenehme, als für nicht behinderte, da man einen besseren Service erhält (als erster im Flugzeug, Begleiter im Terminal, kein Verlassen des Flugzeugs bei Zwischenstopps,…). So hat Christian schon viele Länder bereist, fährt gerne flotte Autos, inzwischen ist er verheiratet, hat eine einjährige Tochter und auch noch einen Familienhund.

Sein Arbeitsplatz ist im Garten- und Landschaftsbau. Ursprünglich hat er auch in diesem Bereich eine Ausbildung absolviert. Heute organisiert  er im Büro die Bestellungen und Rechnungen, schreibt Einsatzpläne und kümmert sich um alles,  was noch so anfällt.

Inklusion bedeutet Teamwork

Eine andere Mitarbeiterin, mit der wir sprechen durften, arbeitet in der Wäscherei. Frau M. kommt täglich mit dem Zug aus der Gegend von Aschaffenburg (das sind ca. 80 km von Würzburg), da es in der Nähe ihres Wohnortes kein Inklusionsunternehmen gibt. Sie ist schwerhörig, das hindert sie aber nicht daran, dass sie ihrer Tätigkeit nachgehen kann. Es gibt sogar zwei gehörlose Kolleginnen in ihrer Abteilung. Für Wäsche sortieren und zusammenfalten, Waschmaschinen beladen etc. ist es nicht zwingend notwendig, ein einwandfreies Gehör zu besitzen, solange die Kolleginnen und Kollegen sich gegenseitig unterstützen. Genau das ist der Sinn eines Inklusionsunternehmens: Jeder unterstützt jeden, so dass reibungsloses Arbeiten gewährleistet ist.  Hierfür zuständig sind in jeder Abteilung Anleiter, die die Kunden betreuen, die Arbeiten verteilen und bei kurzfristigen  Änderungen und Problemen  versuchen, diese  zu kompensieren. Außerdem unterstützen sie ihr Team bei der Arbeit.

Fazit

Aus den verschiedenen Schilderungen wurde uns klar: Deutschland ist bei weitem nicht so behindertengerecht ist wie viele andere Länder es bereits sind: Hierzulande müssen Menschen noch immer lange Arbeitswege zum passenden Unternehmen inkauf nehmen, wenn sie überhaut ein Inklusionsunternehmen finden. Zudem sind viele Betriebe noch nicht rollstuhlgerecht eingerichtet.

P.S. Berührungsängste, wie vor der Reportage befürchtet, hatte übrigens auch keiner,  Menschen mit Behinderungen sind sich ihres Handicaps bewusst und genauso sollte man sie annehmen. Über ein freundliches Lächeln freut sich jeder Mensch und angestarrt oder ausgelacht zu werden  wünscht sich niemand , oder?

Ihr habt mehr Interesse an Vinzenz? Die Homepage findet ihr unter www.vinzenz-wuerzburg.de oder  bei den Inklusionswochen in Würzburg, die in diesem Jahr am  25.01.2019 in der Würzburger Innenstadt stattfinden.

Linda Hofmann, Tim Ziegler

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